Appentura-Gründer Stefan Flück hat sich als Coach beim Berner Startup Weekend engagiert. Er erzählt eine besondere Geschichte mit einem Misserfolg und einer unerwarteten Heldin.

Das Berner Startup Weekend spielt eine wichtige Rolle in Appenturas Geschichte. Vor 2 Jahren ging ich mit einer Idee, einem Namen (das war übrigens schon damals Appentura) und einer Vision auf den Gurten, um am Startup Weekend teilzunehmen. Zwei Tage später ging ich nach Hause mit jeder Menge Inspiration, einer ersten Validierung und einem Prototypen. Aber das Wichtigste: ich ging alleine auf den Gurten und kam mit einem motivierten Team runter. Heute existiert eine Firma mit 3 Festangestellten, 3 Freelancern und vielen glücklichen Kunden. Eine wunderbare Erfolgsgeschichte. Dass es auch anders gehen kann, habe ich letztes Wochenende erfahren.

Startup-Life komprimiert in ein paar Stunden

Als Coach hatte ich die Gelegenheit, den aktuellen Teilnehmern des Startup Weekends meine Erfahrungen weiter zu geben. Ich durfte das Team „Winnerbook“, eine Plattform für Newcomer-Autoren, betreuen. Als ich zu der Gruppe stiess, fand gerade eine angeregte Diskussion statt. Man einigte sich auf ein Vorgehen und liess los. Es folgten kleinere Misserfolge, Aha-Momente und Glücksgefühle – die Höhen und Tiefen eines Startups komprimiert in ein paar Stunden. Mit einem guten Gefühl liess ich die Gruppe am Abend alleine weiterarbeiten.

Startup Weekend Bern

Ein Team bei der Arbeit (Bild: https://www.facebook.com/suwbern)

Abbruch statt Pivot

Als ich am Sonntag zurückkehrte, zeigte sich ein ganz anderes Bild. Nur drei der sechs Leute waren überhaupt vor Ort und teilten mir mit, dass sie entschieden hatten, abzubrechen. Scheinbar hatten sie plötzlich wieder über Produkt und Geschäftsmodell diskutiert, ohne zu einem Konsens zu kommen. Anstatt sich für einen Weg zu entscheiden und diesen auszuprobieren, haben sie einfach den Bettel hingeworfen. Ich fiel aus allen Wolken. Es schien mir auch, dass gar nicht alle wirklich aufhören wollten. Ein bitterer Moment – auch für mich persönlich. Wie konnte das passieren und wie sollte es weiter gehen?

Erfahrung teilen und lernen

Der Entschluss stand jedenfalls fest. Einfach so zurückziehen, das geht nicht. Deshalb beschlossen wir, bei den finalen Pitches auf die Bühne zu gehen, die Situation zu erklären und die Erfahrung zu teilen. Eine mutige Teilnehmerin stellte sich der Aufgabe. Gemeinsam analysierten wir die Resultate und vor allem die Ursachen für das Scheitern.

It’s all about the team

Auf die genauen Gründe einzugehen, würde nochmals einen Blogpost füllen. Aber es war ganz klar zu erkennen, dass sich eine alte Weisheit wieder einmal bewahrheitet: It’s all about the team. Die vier Kernprobleme wurden aufgeschrieben und es fiel auf – bei allen lag die Ursache im Team. Es lag nicht an den einzelnen Personen, das waren alles nette und kompetente Leute. Aber als Gruppe hat es einfach nicht funktioniert. Die Analyse hat gut getan, alle konnten daraus lernen und beim Betrachten des Vorgehens und der Resultate wurde klar, dass sich die Gruppe auf gar keinem schlechten Weg befunden hatte, überhaupt nicht! Aber der Entscheid war längst gefallen, nun galt es auch dazu zu stehen und die Lehren daraus zu ziehen.

Team Winnerbook

Das Team Winnerbook erhielt einen Spezialpreis

Eine Heldin war geboren

Nach den Pitches der anderen Gruppen war es soweit: sichtlich angespannt stellte sich die junge Dame vor Jury und Publikum und erklärte, dass wir gescheitert sind. Das tat sie auf beeindruckend authentische Art. Der ganze Saal fieberte mit ihr mit, eine filmreife Szene. Sie erntete einen fast endlosen, warmen und ebenso ehrlichen Applaus – für mich klar beste Moment des ganzen Wochenendes. Zurück am Platz war sie erleichtert und auch gerührt über den Respekt und das Verständnis. Und trotzdem sagte sie zu mir: „Die Leute mögen Verlierer“. Aber die Leute sahen in ihr keine Verliererin, sondern eine Heldin. Eine Heldin, die ihre Komfortzone verlassen hatte und für eine ganze Gruppe einstand.

Liebe Eva, ich hoffe Du siehst das nun genauso. Denn Du warst grossartig!